Neue Vertriebsformen deutscher Banken.
Wer in der Berliner Friedrichstrasse die Deutsche Bank der Zukunft betritt, landet derzeit zwischen Bioäpfeln und Body-Lotion. Auf der einen Seite präsentiert die Bank in ihrer "Galerie der Wünsche" einen Öko-Markt -er soll den Wunsch der Kunden nach persönlichem Wohlergehen symbolisieren - hinten geht es dann im modern gestalteten Forum ums Geld.
Über 20 Kundenberater sind im Einsatz - auf Wunsch auch ganz diskret. Im bankeigenen Cafe gibt es Espresso, Capuccino und frisch gepresste Säfte. Der Bankbesuch als geselliges Erlebnis - sogar die Kleinsten werden professionell umsorgt. Denn laut Ira Holl von der Deutschen Bank gibt es hier all das, was es auch sonst in jeder Deutsche Bank-Filiale gibt.
Nachdem bei den Banken im Filialgeschäft jahrelang der Rotstift regierte und jede vierte Niederlassungen schließen musste, wird inzwischen wieder kräftig investiert und ausprobiert. So schätzen die Kunden laut Wolfgang L.Brunner vom Berliner Institut für Bankunternehmensführung die Nähe, dieBanken jetzt anbieten. Der Trend gehe weg von der technikgetriebenen Beratung und setze wieder auf den Bankmitarbeiter und signalisiere damit: Lieber Kunde, lieber Nichtkunde, wir schätzen Dich, komm zu uns.
Sport-BH und Sparkonto
Die Berliner Volksbank versucht es sparsam und pragmatisch und eröffnet Kleinstfilialen neben Supermärkten. Hauptsache nah am Kunden. Birgit Eckmüller von Steria Mummert Consulting zufolge wollen die Banken aus ihren Filialen zunehmend eine Plattform machen, um lukrative Kunden anzuziehen. Sie wollen die Bankfiliale nutzen, um beratungsintensive Produkte zu fördern und zu verkaufen.
Die Berliner Sparkasse teilt sich in einer Testfiliale den Platz mit Tchibo und der Bäckereikette Kamps. Vom belegten Brötchen über den Sport-BH zum Ratenkredit sind es nur ein paar Schritte. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, das kann sich die Sparkasse auch mit andern Partnern vorstellen.
So gebe es beispielsweise schon Anfragen von Kunden, die in ihrem Kiez einen Buchladen vermissen, ob denn auch ein Buchladen in eine Filiale mit hineingenommen werden könne, sagt Gudrun Mann von der Berliner Sparkasse. Sie kann sich das gut vorstellen, genauso wie ein Internetcafé. Denn ob mit oder ohne Brötchen, die Zukunft der Bankfiliale hat gerade erst begonnen.
Quelle: Nachrichten ZDF am 24.04.06
Mehr lesen ...
Zum Anfang zurück