Die Macht der Prophezeiung
Es war einmal ein Würstchenverkäufer. Er war schwerhörig, deshalb hatte er kein Radio. Er sah schlecht, deshalb las er keine Zeitung. Er verkaufte köstliche heiße Würstchen. Das sprach sich herum, und die Nachfrage stieg von Tag zu Tag. Er kaufte einen größeren Herd und dann noch einen zweiten. Er holte seinen Sohn von der Universität zurück, damit er ihm half.
Aber dann sagte der Sohn: “Vater, bist du denn gar nicht informiert? Eine schwere Rezession kommt auf uns zu. Der Umsatz wird zurückgehen. Du solltest nichts mehr investieren.”
Der Vater dachte: Mein Sohn hat studiert. Er schaut Fernsehen, hört Radio und liest Zeitung. Der muss viel wissen. Also verringerte er seine Fleisch- und Brötcheneinkäufe. Dann sparte er an der Qualität des Fleisches. Und zuletzt verkaufte er sogar einen Herd. Damit er etwas Liquidität bekam - für die schlechten Zeiten.
Und das Schlimmste: Die Sorge um die Zukunft ließ ihn missmutig werden und unfreundlich zu seinen Kunden. Das Ergebnis ließs nicht lange auf sich warten. Der Absatz an heißen Würstchen fiel und fiel, unaufhaltsam.
“Du hattest Recht, mein Sohn,” sagte der Vater, “es steht uns eine schwere Rezession bevor.”
Jürgen Fuchs (Das Märchenbuch für Manager)

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