Mittwoch

Kein Aprilscherz

Einen Satz, den man recht häufig hören kann, wenn sich Leute über den Erfolg eines anderen unterhalten: "Das ist doch nichts Besonderes, das hätte ich auch geschafft."

So hat z.B. Person A eine Kunstausstellung in einer Galerie und Person B steht davor und sagt: "Die Bilder sind doch keine Kunst, das könnte ich auch." Oder Person A hat ein Buch verfasst und Person B sagt: "Darüber hätte ich auch schreiben könnten." Oder Person A hat eine gemeinnützige Aktion für ihren Stadtteil auf die Beine gestellt, für die sie viel Lob bekommt und Person B sagt: "Na, das ist doch nichts Besonderes, das hätte ich auch gekonnt."
Die Bemerkungen von Person B werden meiner Einschätzung nach aus zwei Gefühlen geboren: einmal aus Neid und einmal aus Frust. Neid auf den Erfolg des anderen, den man auch gerne hätte und Frust darüber, dass eben der andere und nicht man selbst die Sache in die Hand genommen hat.
Das Lustige an diesen Bemerkungen ist nun aber, dass sie in vielen Fällen tatsächlich wahr sein dürften. Ich glaube fest daran, dass die meisten Menschen sehr viel mehr können, als sie denken. Und ich würde nicht ausschließen, dass Person B tatsächlich selbst tolle Bilder malen, ein Buch schreiben oder solch eine Aktion auf die Beine stellen könnte.
Der entscheidende Unterschied ist der, dass Person A es getan hat und Person B nicht. Entscheidend ist das Tun und nicht das Reden. In Gedanken können viele Menschen ganz viel. Sie stolpern aber immer wieder über den Konjunktiv in ihren Sätzen, denn das "hätte" oder "könnte" ist nicht nur eine grammatikalische Form, sondern für viele auch eine Lebenseinstellung.
Viele Menschen leben in einem ständigen "Ich könnte..." und treten damit auf der Stelle. Sie nähren damit ihren Neid und ihren Frust, erreichen aber weder das, was sie zu können glauben noch das, was sie wirklich können.
Wirklich können können nur die, die tun.

Quelle: Zeitzuleben.de

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