Readmill ein Start-up für modernes Wissensmanagement
Das Thema “Lesen” klingt erst einmal unsexy für ein Start-up aus Berlin. Das war dem internationalen Team rund um Readmill egal, als sie eine Plattform für soziales Lesen starteten: Wer ein E-Book mit Readmill liest, kann seine Eindrücke mit anderen Lesern teilen. So entstehen neue Ideen, Verknüpfungen und Sichtweisen auf Bücher und ihre Geschichten. Aber ob die Nutzer das Konzept annehmen und sich mit ihrem Leseverhalten öffnen? Markierungen für Freunde freigeben
Das brachte sie auf eine Idee: Im Zentrum von Readmill steht eine kostenlose iPad-App, mit der E-Books ohne DRM-Schutz gelesen werden können. Doch es geht nicht nur um das Lesen von elektronischen Büchern. Readmill liefert auch die Möglichkeit, mit den Texten zu arbeiten. Wie bei einem physischen Buch können Passagen markiert oder Stellen mit einer Anmerkung versehen werden. Wer möchte, kann seine Markierungen und Notizen für seine Freunde freigeben oder über soziale Netzwerke verteilen.
Readmill verfügt über eine Anbindung an Twitter und Facebook, ist aber auch selbst ein soziales Netzwerk für Lesende. Denn auf Readmill.com gibt es eine Lesehistorie sowie eine Zusammenfassung der aktuellen Notizen – zusammengesetzt aus den Empfehlungen des Nutzers selbst und den Anmerkungen seiner Freunde.
Neue Bücher entdecken
Ein bisschen erinnert Readmill so auch an amerikanische Bücherclubs, in denen sich Nachbarn oder Freunde zum gemeinsamen Lesen eines Buches treffen: Auf Readmill.com lassen sich neue Bücher entdecken – es wird angezeigt, wer das Buch gerade liest, wer fertig ist und wer abgebrochen hat. Dazu gibt es kurze Empfehlungen von den Lesern.
Bislang funktioniert die Lese-App nur auf dem iPad. Mit Amazons E-Book-Lesegerät Kindle lassen sich sogenannte Highlights synchronisieren. Aktuell ist eine iPhone-App in Arbeit, weitere Plattformen sollen folgen.
“Das Ziel ist es, dass jeder Readmill nutzen kann, unabhängig davon ob ein Kindle. iPad, Nook, Smartphone oder ein anderes Lesegerät eingesetzt wird”, schreiben die Readmill-Gründer auf ihre Webseite. “Wir möchten Bücher mit dem Web integrieren und sie verlinkbar, einbettbar, verteilbar und zerlegbar machen.”
2012 wird das Jahr der Herausforderungen für Readmill
Bis diese Vision erfüllt ist, dauert es aber noch. “Die größte Herausforderung ist es, Readmill bei den Leuten bekannt zu machen”, erklärt Henrik Berggren im Gespräch mit Hyperland. “Wenn ein Nutzer beitritt und entdeckt, wie einfach man Textstellen hervorheben und teilen kann, dann ist er direkt Feuer und Flamme. Aber wir müssen noch daran arbeiten, dass diese Erfahrung jedem zugänglich gemacht werden kann. Gerade für Nutzer verschiedener Plattform, wie zum Beispiel Android.”
Aber die Faszination von Readmill liegt nicht nur in den Lese-Apps, sondern vielmehr in der Infrastruktur, die durch den Dienst geschaffen wird. Bereits jetzt gibt es eine offene Schnittstelle, die es jedem ermöglicht, die sozialen Funktionen von Readmill zu nutzen und mit eigenen Apps zu verbinden. Auf lange Sicht könnte jeder E-Book-Reader-Anbieter sein Angebot mit dem Readmill-Netz verbinden.
Wie Audio-Kommentare auf einer DVD
Der Konsum von Text wird durch diese neuen digitalen Möglichkeiten tatsächlich auf eine ganz andere Ebene gehoben: Freundeskreise können gemeinsame Interessen austauschen, Lerngruppen einfacher Wissen austauschen und selbst Autoren können davon profitieren, indem sie ihre eigenen Lieblingsstellen markieren oder Notizen anfügen. Durch die Vernetzung mit ihren Fans haben die Autoren so ein ähnliches Erlebnis wie ein Regisseur, der seine Kommentare als Audio-Bonusmaterial auf einer DVD anbietet.
Es ist schwer vorstellbar, warum die bisherigen Anbieter so wenig Wert auf soziale Funktionen gelegt haben. Aber genau das haben sich auch Berggren und Kjelkerud gedacht, als sie sich Apples iBook-App anschauten. Ironischerweise ist ausgerechnet die Biographie von Steve Jobs das meist gelesene Buch unter den Empfehlungen auf der Readmill-Webseite.
Hyperland begleitet die neue Gründerszene in Berlin. Wir berichten regelmäßige über neue, ungewöhnliche und erfolgversprechende Netzfirmen in der Hauptstadt. Zuletzt ging es um die Start-ups Soundcloud, Amen und Gidsy. (auch diese 3 Links hochinteressant)
Quelle: ZDF Blog

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